- Mehr als leere Hände
Norman
Sandler über die Waffen im
Kenpo-Karate
"Ich
komme zu Dir nur mit Karate, den leeren Händen. Ich trage keine Waffen. Doch
sollte ich mich verteidigen müssen, meine Prinzipien oder meine Ehre, so sind
dies meine Waffen: Karate, die leeren Hände."
Das Glaubensbekenntnis des American Kenpo ist nur zum Teil korrekt, denn längst
beschäftigen sich die Kenpoists mit dem Waffentraining. Es gibt ein Set mit dem
Langstock, eines mit
Kurzstöcken und eine Form mit Kurzstöcken. Außerdem werden Messer und Nunchaku
als Kenpo-Waffen bezeichnet. Norman Sandler, ein Kenpo-Instructor auf Long
Island, New York, erklärt, was es mit den "Kenpo-Sticks" auf sich hat:
Mr. Parker hat eigentlich immer von Knüppeln gesprochen, nicht unbedingt von
Sticks. Ein Knüppel kann alles sein, selbst eine Autoantenne. Außerdem soll man
Kenpo nicht mit Kali oder Arnis verwechseln. Die Prinzipien der Waffen im Kenpo
sind Ableiten, Kontrollieren und Entwaffnen. Wer eine Waffe nicht richtig
ableiten kann, braucht überhaupt nicht weiterzumachen. In einem richtigen Kampf
wäre er schnell tot. Man muss als erstes lernen, wie man von einer Technik
wegkommt. Bei den Doppelstocktechniken lernt man, mit dem zweiten Stock den
Gegner zu kontrollieren, zu "checken." Dieses Check-Prinzip ist ein wichtiger
Pfeiler des gesamten Kenpo-Systems, denn mit den Händen wird das Gleiche
gemacht. Die Waffen sind als Verlängerungen der Arme gedacht. Was man mit
den Händen
tun kann, sollte man auch mit Sticks oder Messern ausführen können.
Ein Stock
kann auf verschiedene Arten eingesetzt werden: Ich kann das kurze Ende
verwenden, die Spitze, die lange Seite. Ich kann schlagen, parieren, stoßen.
Ich kann z.b. auch das kurze Ende einhaken, um den Stock des Gegners zu
kontrollieren. Die Basis aller Systeme liegt in offenen Dreiecken, horizontalen
Linien und dem Muster einer acht (Anm. der Redaktion: Vergleich zum Wing Chun).
Jede Bewegung basiert auf diesen Prinzipien oder stellt eine Kombination dieser
Muster dar. Das Universal Pattern beschreibt die Bewegungsmöglichkeiten im
Kenpo. Es gibt Linien, Kreise, Dreiecke, halbe Kreise, Achter, etc. Alle
Bewegungsmuster basieren darauf.
Man kann
Parallelen zwischen dem Kenpo-Stockkampf und den philippinischen Systemen
entdecken. Ed Parker hat seine Form des Stockkampfs so entwickelt, dass es in
das Gesamtsystem des Kenpo passt. Das ist der feine Unterschied. Die Philippinos
haben ihr System auf Schwert- und Machetenkampf ausgerichtet (und nicht auf die
Kompatibilität zu anderen Techniken). Letztlich muss es einfach zusammenpassen.
Ed Parker hat sein System stets weiter entwickelt. In den Sechzigern sah es
anders aus als in den Siebzigern, und in den Achtzigern sah es wieder anders
aus. Nun überarbeiten wir es. Es muss immer aus einem neuen Niveau steigen.
Beim
Stick-Set bringen wir Körper und Geist zusammen. Wie geht das? Es ist genau wie
bei den waffenlosen Formen. Alles muss harmonisch ablaufen. Hüftdrehungen,
Schwung in die Bewegungsrichtung, Schwerkraft und Masse kommen zum Einsatz. Das
Set gehört zum Schwarzgurt-Programm, es ist eine Vorbereitung für die Form 7,
die ebenfalls eine Doppelstock-Form ist. Das Set ist die Basis dafür:
Stellungswechsel nach vorne und nach hinten, Schlagkombinationen mit der Führhand
sowie Blocks, Paraden, und Konterschläge. Die Bewegungen basieren auf Linien,
Kreisen, offenen Dreiecken und der Acht. Außerdem beinhaltet es zwei
verschiedene Griffarten.
So
wird Beinarbeit mit Checks, Schlägen, Blocks und den Bewegungsmustern des
Stockkampfs kombiniert. Es stellt die Basis der Form 7 dar. In der Form 7 wird
die Technik "Five Swords" zur Stocktechnik "Five Storms".
Alle Techniken, die in Form 7 mit Sticks ausgeführt werden, sind ursprünglich
waffenlose Selbstverteidigungstechniken aus dem Gürtelprogramm. Es ist nicht
so, dass die philippinischen Kampfkünste nicht effektiv sind, im Kenpo ist es
nur eine andere Art der Ausführung. Allerdings ist einer der heute bekanntesten
philippinischen Stilisten ein Schwarzgurt der ersten Generation unter Ed Parker
- es ist Dan Inosanto. Auch Larry Hartsell war ein Schwarzgurt der ersten
Generation.
Ed Parker
hat die Form 7 während der Dreharbeiten zu "The Perfekt Weapon"
perfektioniert. Als er in der Schule in West LA unterrichtet hat, waren da immer
Jeff Speakman, Barbara Hale, Andy Smith und Brian Hawkins.
Sie bildeten
den Kern der Gruppe, und sie haben die Form 7 mit perfektioniert. Zu dieser Zeit
wurden einige Techniken entworfen, die nur mit den Sticks angewandt werden.
Daher gibt es einige Techniken in der Form 7, die nicht in den Büchern zu
finden sind. Es ist eine sehr ansprunchsvolle Form, auf diesem Niveau sollte man
die Basis des Systems kennen.
Wichtig ist
es, zu verstehen, wie eine Knüppeltechnik funktionieren - wie ein Knüppel
gehalten wird, mit welchen Flächen man treffen kann, je mehr man über eine
Waffe weiß, umso leichter ist es, sich gegen sie zu verteidigen. In anderen
Systemen ist es genauso: Man lernt zuerst, zuzuschlagen, bevor man lernt zu
blocken.
- Dem
Messerkampf liegen andere Prinzipien zugrunde. Zwar wird im Kali oft Messer
und Stock zu einem Bereich zusammengefasst, doch es gibt gewisse Dinge im
Stockkampf, die man mit einem Messer nicht macht. So führt man ein Messer
nicht auf der Innenseite des eigenen Arms, da man sich sonst schneiden könnte.
Der Stockkampf hat sich zwar aus dem Schwertkampf entwickelt. Aber das
Messer ist eben brutaler.
- Kenpo ist stark vom Kali beeinflusst worden. Einmal durch Parkers
Hintergrundwissen aus Hawaii, aber auch, weil viele Kenpo-Instructoren mit
philippinischen Stilisten zusammengearbeitet haben: Die Stocktechniken
wurden jedoch so in das Kenpo eingefügt, dass es in das System passt. Man
muss also nicht philippinische Kampfkunst lernen, um mit Waffen umgehen zu können
Kenpo vermittelt auch das.
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